Lieber Dr. Alfons,
ich schreibe Ihnen und den Mitgliedern Ihres Vereins, um Ihnen einige Informationen aus Kakuma und Kalobeyei zu übermitteln.
Im August 2025 sind beide Orte mit einer sich rapide verschärfenden Krise konfrontiert, die durch einen erheblichen Rückgang der humanitären Hilfe verursacht wurde. Daraus sind erhebliche Beeinträchtigungen entstanden, die den Zugang zu Nahrungsmitteln, Wasser, Gesundheitsversorgung, Bildung und Schutzdiensten für die Flüchtlingsbevölkerung, die derzeit mehr als 200.000 Menschen umfasst, erheblich einschränkt.
- Ernährungsunsicherheit und Ernährungskrise
Die Verteilung von Lebensmitteln war unregelmäßig und unzureichend, sodass viele Haushalte in den letzten Wochen nur reduzierte oder gar keine Rationen erhielten.
(Kategorie 3 und 4 erhalten keine Nahrungsmittel mehr. Kategorie eins 40%, Kategorie zwei 20% der zuletzt verteilten Rationen.)
Heute (11. August) wurde die Verteilung von Lebensmitteln in Kakuma 4 unter strengenSicherheitsvorkehrungen wieder aufgenommen, nachdem es zu Spannungen innerhalb der Gemeinschaft und zu Konfrontationen mit lokalen Führungskräften gekommen war.
(Menschen aus den Kategorien 3 und 4 hatten diejenigen aus Kategorie 1 und 2, die ihre Rationen abholen wollten, daran gehindert – zum Teil mit Gewalt. Bei Demonstrationen waren zwei Menschen getötet worden. Ein Verteilzentrum ist in Flammen aufgegangen.)
Aufgrund der anhaltenden Sicherheitsbedenken wird die Verteilung nun über mehrere Tage statt an einem einzigen Tag durchgeführt, was den Zugang für bedürftige Familien weiter verzögert.
Berichte aus dem Lager sprechen davon, dass Kinder Akaziensamen essen, um ihren Hunger zu stillen, was auf extremen Hunger deutet. Unterernährung ist ein reales Risiko.
(Akazien sind die dornenreichen Sträucher, die reichlich vorhanden sind. Die Samen sind nicht giftig, enthalten Füllstoffe, haben eine verdauungsfördernde Wirkung.)
- Führungskrise und Misstrauen in der Gemeinschaft
Es herrscht weit verbreitete Unzufriedenheit mit den Führungsstrukturen der Flüchtlinge, die durch Fehlinformationen, Kategorisierungsfehler und die wahrgenommene Ungleichheit bei der Verteilung der Hilfe verursacht wird.
Betroffene Gemeindemitglieder haben die Autorität der Flüchtlingsführer blockiert oder abgelehnt, insbesondere während der Koordinierung der Hilfsmaßnahmen.
Viele Menschen wurden falsch kategorisiert oder von den Empfängerlisten ausgeschlossen, wodurch ihnen der Zugang zu lebenswichtiger Hilfe, einschließlich Nahrungsmitteln und grundlegenden Dienstleistungen verwehrt wird.
- Herausforderungen im Bereich Wasser und Sanitärversorgung
Flüchtlinge leiden unter chronischer Wasserknappheit, wobei einige Gebiete tagelang keinen Zugang zu sauberem Wasser haben.
Die übermäßige Ausbeutung der Bohrlöcher und unzureichende Wassertransporte haben zu langen Warteschlangen und erhöhten Spannungen geführt. Das Wasser ist häufig nicht mehr sauber. Durch Trinkwasser übertragene Krankheiten haben zugenommen. Die sanitären Einrichtungen sind nach wie vor unzureichend, was die Gesundheitsrisiken insbesondere in den überfüllten Gebieten noch verschärft.
- Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung
Die Gesundheitszentren sind überlastet und leiden unter Personalmangel und unzureichender Versorgung mit Verbandsstoffen und Arzneimitteln.
Fälle von Unterernährung, insbesondere bei Kindern unter fünf Jahren, nehmen zu.
Gesundheitsdienste für Mütter, Behandlung chronischer Krankheiten fehlen.
- Krise im Unterrichtssystem
Viele Schüler in Kakuma konnten aufgrund von Hunger, Sicherheitsbedenken und da Schulen geschlossen ware, nicht an ihren Abschlussprüfungen teilnehmen.
Während in Teilen von Kalobeyei Prüfungen stattfanden, blieb das allgemeine Lernumfeld instabil. Immer mehr Kinder brechen die Schule ab, um ihre Familien bei der Sicherung des Lebensunterhalts zu unterstützen.
- Schutz- und Sicherheitsrisiken
Die Anwesenheit von Sicherheitskräften während der Verteilung von Hilfsgütern spiegelt die zunehmenden Spannungen und die Angst vor Gewalt innerhalb des Lagers wider.
Frauen und Kinder sind überproportional betroffen und sehen sich Risiken wie geschlechtsspezifischer Gewalt, Ausbeutung und Vernachlässigung ausgesetzt.
Der Zusammenhalt der Gemeinschaft verschlechtert sich unter dem Druck ungedeckter Bedürfnisse und des erschütterten Vertrauens in die bestehenden Regierungssysteme.
- Unmittelbare Empfehlungen
- Verstärkte Nahrungsmittelhilfe und sofortige Wiederaufnahme der vollständigen Verteilung der Rationen.
- Transparente neuerliche Überprüfung der Einteilung der Flüchtlinge in Kategorien, um sicherzustellen, dass alle berechtigten Flüchtlinge ordnungsgemäß registriert und versorgt werden.
- Verbesserter Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygieneartikeln.
- Medizinische Notfallversorgung und mobile Gesundheitsteams zur Versorgung unterversorgter Gebiete.
- Wiederaufnahme von Schulernährungsprogrammen und Bereitstellung von Lernmaterialien zur Stabilisierung des Bildungswesens.
- Maßnahmen zur Einbindung der Gemeinschaft, um Vertrauen wiederherzustellen und funktionierende Führungsstrukturen wiederaufzubauen.
Fazit
Die humanitäre Lage in Kakuma und Kalobeyei verschlechtert sich rapide. Ohne sofortige und koordinierte Maßnahmen besteht die Gefahr einer weit verbreiteten Unterernährung, des Ausbruchs von Krankheiten und eines weiteren Zusammenbruchs der Sicherheit und der sozialen Ordnung.
Vielen Dank für Ihre anhaltende Unterstützung und Ihr Engagement für das Wohlergehen der Flüchtlinge.
Fr. Lawrence Wambua sdb, 11.08.2025
Übersetzt Alfons Nowak (Kursive Einschübe von mir)