Info Brief von Alfons Nowak
Info Brief von Alfons Nowak
Brief von Alfons Nowak
Liebe Mitglieder und Freunde unseres Vereins,
Veränderungen haben sich ereignet. Bei unseren Partnern, den Salesianern,
ist es üblich, dass nach 6 Jahren die Führungspositionen wechseln. Durch die
Corona Pandemie hatten wir das Glück, dass Fr. Jose uns 9 Jahre lang als
Partner in Kakuma zur Verfügung stand. Nun war es soweit und er ist als
Direktor von Boys Town nach Nairobi versetzt worden. Boys Town ist ein
großes berufliches Ausbildungszentrum für Jungen und Mädchen. Neben allen
handwerklichen Berufen, für die große, gut ausgestattete Hallen zur
Verfügung stehen, gibt es Computer Kurse und eine kaufmännische Ausbildung.
500 Auszubildende sind eingeschrieben, der große Teil wohnt im dortigen
Internat.
Überraschend ist auch Fr. Chege, der Direktor des Straßenjungen Projektes
Bosco Boys, versetzt worden. Gerade noch hatten wir ihn und Francis Nbiyu,
einen ehemaligen Bosco Boy, im Juni für einen Tag bei uns zu Besuch. Die
Salesianer Zentrale in Bonn hatte die Beiden zum Spendensammeln eingeladen.
Es waren ausgefüllte 24 Stunden mit vielen Begegnungen und Gesprächen,
unter anderem über die Frage, ob es moralisch und sozial vertretbar ist,
dass Deutschland Fachkräfte in Kenia anwirbt. Junge Menschen, zu deren
Ausbildung wir vielleicht beigetragen haben, in der Vorstellung, dass sie
ihrem Land und der Entwicklung ihrer Gesellschaft nützen würden.
Fr. Chege ist ebenfalls auf eine verantwortungsvolle Position berufen
worden. Er ist jetzt Geschäftsführer aller Salesianer Niederlassungen in der
Provinz Ost-Afrika, die Kenia, Süd Sudan und den jetzt von Kriegswirren
erschütterten Sudan umfasst. Es bedeutet auch, Reisen in diese unsicheren
Gebiete zu unternehmen. Wir wünschen ihm dazu viel Glück und Gottes Segen!
Nachfolger von Fr. Jose in Kakuma ist Fr. Mathew Kuthanapillil, Inder wie
Fr. Jose, der bisher im Sudan gearbeitet hat und mit großen Projekten
vertraut ist. Bei den Bosco Boys ist Fr. Vincent Mokaya Nachfolger von Fr.
Chege. Ich werde beide bei meinem Besuch im November kennenlernen und freue
mich darauf.
Fr. Jose und Fr. Chege haben sich beide bei mir und unserem Verein
verabschiedet und uns einen herzlichen
Dank für unsere Unterstützung ausgesprochen. Fr. Jose geht ausdrücklich auf
unsere Förderung des Savio Clubs ein – von der Idee Fr. Joses, eine
nachhaltige Hilfe für die Kinder im Flüchtlingslager zu verwirklichen, von
den Anfängen mit zwei, drei, fünf und von jetzt neun Gruppen mit einer
Anzahl von 1.250 Kindern. Wir denken zurück an das, was die beiden ersten
Supervisorinnen Mercy und Petronilla geleistet haben, was Lucy und die 17
Lehrer und Katecheten jetzt täglich leisten. Wir sind stolz auf dieses
Erfolgsmodell, das wir mit unseren Spenden ermöglicht haben. Lest selber,
was Fr. Jose geschrieben hat:
Lieber Dr. Alfons (das ist die für mich übliche Anrede in Kenia und weiter
geht es im Englischen mit ‚You‘, Du oder Sie. Da wir Freunde geworden sind,
übersetze ich Fr. Joses ‚You‘ mit Du). Viele Grüße.
Wie ich dir bereits sagte, bin ich nach 9 Jahren Dienst für die Menschen im
Flüchtlingslager und in der Turkana-Gemeinschaft von Kakuma versetzt worden.
Ich habe dort sehr glückliche Erfahrungen gemacht und bin Gott, meiner
Gemeinschaft, unseren Wohltätern, wie dir und deinem Team dort und all den
Menschen, die mit mir zusammengearbeitet haben, sehr dankbar.
Ich sende dir den abschließenden Finanz- und Erzählbericht des Savio
Club-Projekts. Wie du sehen kannst, ist das Projekt finanziell im
Negativbereich. Sie brauchen dringend etwas Geld.
Ich danke dir vielmals, dass du meine Idee des Savio Clubs unterstützt hast,
um die Flüchtlingskinder mit einem Zusatzunterricht zu formen, und ich kann
sagen, dass die Zusammenarbeit mit eurem Team es möglich gemacht hat, dass
meine Idee Früchte tragen konnte. Ich habe von den Menschen, die an diesem
Projekt beteiligt sind, gehört, wie viel Wertschätzung es für diese Arbeit
gibt, die wir leisten. Wir haben gesehen, wie die Kinder intellektuell
gereift sind und ihre Fähigkeit entwickelt haben, sich in verschiedene
Nationalitäten und Stämme zu integrieren und gleichzeitig in vielerlei
Hinsicht bessere Kinder zu werden. Sie sehen besser aus, wenn es um Hygiene
geht, sie beten besser und sie lernen besser.
Vielen Dank für eure Unterstützung und herzlichen Glückwunsch zu diesem
Ergebnis! Gott segne dich und das Team für eure Großzügigkeit und harte
Arbeit, um die Spenden zu sammeln.
Ich kann ehrlich sagen, dass ich mir große Mühe gegeben habe, die Mittel auf
die vorteilhafteste Weise zu verwenden, ohne Verschwendung und mit Sorgfalt.
Ich kann auch voller Überzeugung versichern, dass es für unsere Kinder von
großem Nutzen war. Wenn es mit Sorgfalt weitergeführt wird, kann es auch in
Zukunft Tausenden von Kindern zugutekommen. Deshalb sage ich ein großes
Dankeschön. Asante Sana!
Bisher haben die Lehrer und Lucy und ihre Vorgängerinnen Mercy und
Petronilla gut gearbeitet. Ich danke auch ihnen sehr. Ich bin sicher, dass
das Projekt unter der Leitung von Fr. Mathew, dem neuen Direktor, gedeihen
wird. Die Kinder werden davon profitieren.
Ich danke dir auch persönlich für deine Freundschaft und deinen guten
Willen. Ich bin in Nairobi und wir können weiterhin gute Freunde sein. Wenn
du nach Nairobi kommst, werden wir uns mit Sicherheit treffen.
Nochmals vielen Dank. Bitte übermittele den Menschen, die mit dir in diesem
Projekt zusammengearbeitet haben, meine besten Wünsche. Möge Gott weiterhin
jeden von euch mit seinem Segen überschütten.
Mit den besten Grüßen Fr. Jose Padinjareparampil, Nairobi 21.08.2023
Stolz und dankbar wollen wir dafür sorgen, dass es weitergeht. Gerade haben
wir 3.000 € nach Kakuma geschickt. Unser Spendenkonto ist damit erschöpft.
Damit es weitergeht, brauchen wir eure Hilfe. Ich vertraue darauf, dass wir
demnächst auch unsere beiden anderen Partner, die Bosco Boys und die Bosco
Girls, mit einer Spende unterstützen können.
Am 16. Oktober werden wir unsere nächste Mitgliederversammlung um 17 Uhr im
Pfarrheim Christus König in Oer-Erkenschwick abhalten,
Klein-Erkenschwicker-Str. 122. Es geht unter anderem um die Genehmigung des
Geschäftsberichts 2022. Bitte notiert euch den Termin schon jetzt.
Noch sonnige Sommertage und einen schönen Herbst wünscht euch Euer Alfons
Nowak
Neuigkeiten von unseren Projekten
Neuigkeiten von unseren Projekten

Neuigkeiten von unseren Projekten
In der Regel wechseln die Salesianer alle 6 Jahre ihre Führungspositionen in ihren Niederlassungen aus. So soll mehr Flexibilität gewährleistet sein, es soll das Verantwortungsbewusstsein für die Gesamtheit erhalten bleiben.
Einmal haben wir bereits einen Wechsel erlebt, als 2014 Fr. Luke in Kakuma von Fr. Jose abgelöst wurde. Durch die Corona Pandemie blieb uns Fr. Jose 3 Jahre länger als geplant erhalten. Nun ist es aber so weit. Wir müssen uns von ihm verabschieden. Schweren Herzens lassen wir ihn gehen. Er hat das Savio Club Projekt entwickelt, auf den Weg und zum Blühen gebracht. Gerne haben wir die finanzielle Unterstützung dafür geleistet und wollen uns weiter mit seinem Nachfolger Fr. Matthew dafür einsetzen, der bisher im Sudan gearbeitet hat.
Von den Plänen auf dem Papier über eine Gruppe, drei Gruppen mit 300 Kindern, sind wir nun bei neun Gruppen mit 1.200 Kindern angekommen. Zwei Gruppen befinden sich in dem etwas entfernten Flüchtlingslager Kalobeyei. Nach unserer ersten Supervisorin Mercy haben wir mit Petronilla zusammengearbeitet und entwickeln nun unsere Hilfe für die Flüchtlingskinder mit Lucy und 17 Lehrern und einigen Katecheten weiter.
Von unserer Seite herzliches Willkommen für Fr. Mathew! Wir hoffen, ihn bald durch Fotos und Berichte kennenzulernen. Im November wird Alfons Nowak ihn bei seinem Kenia-Besuch persönlich begrüßen können.
Fr. Jose ist zum Direktor der größten Niederlassung der Salesianer in Nairobi ernannt worden. Er ist jetzt Direktor von Boys Town, dem riesigen technischen Ausbildungszentrum der Salesianer. Alfons Nowak hat es bereits besucht. Es ist eine eindrucksvolle Anlage, wirklich eine kleine Stadt mit den gut ausgestatteten Werkhallen, dem Wohnheim für die Auszubildenden, einer großen Halle und der Kirche.
Leider müssen wir uns auch von Fr. Chege trennen. Gerade haben wir ihn noch einmal besser kennengelernt durch seinen Besuch bei uns im Juni mit Francis Mbiyu, einem ehemaligen Bosco Boy.
Er ist ebenfalls auf eine hoch verantwortungsvolle und herausfordernde neue Aufgabe berufen worden. Er wird Finanzverwalter aller Salesianer-Niederlassungen in der Provinz Ost-Afrika. Diese umfasst die Länder Kenia, Sudan und Süd Sudan. Im Sudan herrscht gerade Bürgerkrieg, im Süd Sudan hat der hoffentlich zur Ruhe gekommene Bürgerkrieg ein Chaos hinterlassen. Eine große Herausforderung in solchen Krisenregionen Verantwortung übertragen zu bekommen! Wir wünschen Fr. Chege viel Kraft und Glück und Segen, auch auf seinen Reisen in diese unsicheren Gebiete, die von ihm erwartet werden!
Sein Nachfolger im Straßenjungen Projekt Bosco Boys wird Fr. Vincent Mukaya. Wir kennen ihn noch nicht, wünschen ihm einen guten Start, eine glückliche Hand und mit uns eine gute Zusammenarbeit! Bis auf ein Kennenlernen mit Alfons Nowak im November.
Von Francis Mbiyu, dem sympathischen Begleiter von Fr. Chege im Juni, kommen leider traurige Nachrichten. Hier hat er stolz von seiner Arbeit als Automechaniker erzählt und seine Firma lobend hervorgehoben. Nun hat er die Kündigung erhalten und ist seit dem 1. September arbeitslos. Zuviel hat er bei seinem Chef von Deutschland geschwärmt und hat dann den Fehler gemacht, um eine Lohnerhöhung zu bitten.
Ist es gerecht Arbeitskräfte aus Kenia zu holen?
Ist es gerecht Arbeitskräfte aus Kenia zu holen?
Leserbrief Paderborn in "Der Dom"
Ist es nun eine Zumutung
und eine Art Neukolonialismus,
wenn wir erwarten, dass Mütter
in anderen Ländern Kinder ge-
bären, großziehen und sie dann
an uns abgeben, anstatt dass
diese jungen Menschen ihrem
eigenen Land dienen? Forcieren
wir mit unseren Ansprüchen
nicht zwangsläufig die Not in
anderen Ländern mit der Fol-
ge weiterer Flüchtlingsströme,
Hunger und kriegerischer Aus-
einandersetzungen? Probleme
über Probleme, die mich und
meine Enkelkinder besorgt sein
lassen und die sich allein nur
mit Gottes Hilfe und im unbe-
dingten Vrertrauen auf die erneu-
ernde Kraft des Helligen Geistes
lösen lassen: Renovabis – du
wirst erneuernl Ich gehe mit!
Möge unsere Kirche nicht müde
werden, uns diese Vision immer
wieder vor Augen zu führen.
Horst Meyer, Paderborn in einem Leserbrief
in ‚Der Dom‘ zu Pfingsten.
Uns eigesandt von unserer eifrigen Förderin
Gerda Maria Menge aus Dortmund.

Artikel aus Kenianischen Zeitschriften
Daily Nation, Montag 3. Juli 2023
Daily Nation, eine der wichtigsten Tageszeitungen Kenias bringt als Aufmacher am Montag, 3. Juli, einen Bericht über den Auszug der Jugend aus dem Land auf Grund fehlender Arbeitsplätze und im Inneren einen ausführlichen Artikel. Fr. Chege hat mir Fotos des Artikels geschickt, den ich hier in Teilen übersetze und zusammenfasse.
Youth Exodus – Exodus der Jugend
Grünere Weiden – Arbeitslosigkeit und die harten Lebensbedingungen haben viele junge Menschen an den Rand der Verzweiflung gebracht und sie wollen raus. Die langen Schlangen an den Passbehörden überall im Land und am Flughafen bezeugen dies – die Jugend verlässt das Land und sucht die Erfüllung ihrer Träume im Ausland. Und die Regierung ermuntert sie dazu… – Das Außenministerium hat eine Internet Plattform installiert, um Kenianern einen direkten Zugang zu Arbeitsangeboten im Ausland zu ermöglichen.
Arbeitslosigkeit Über 3.12 Millionen Kenianer waren 2022 als arbeitslos registriert. – Kenia hat 53 Millionen Einwohner. Die meisten Menschen leben von Minijobs, vom Handel mit geringen Verdienstspannen, von kleinen und kleinsten landwirtschaftlichen Betrieben, von der Hand in den Mund. Sie tauchen in der Arbeitslosigkeitsstatistik nicht auf.
Die Antragstellung auf einen Pass wird für viele Kenianer ein Alptraum. Es gibt einen Rückstau von mindestens 70.000 Anträgen bei der Einwanderungsbehörde. Die Behörde schafft am Tag höchstens die Bearbeitung von 700 Pässen. Im Jahr 2022 ist die Ausgabe von Pässen um 55,9 % auf 426.137 gestiegen.
173.218 Kenianer haben sich 2022 um die US Green Card über den Weg der ‚Diversity visa lottery‘ beworben. – Dieses ist ein Lotterieverfahren, das die USA eingeführt haben, um eine Vielzahl von Staaten bei der Beantragung der Einreiseberechtigung zu berücksichtigen.
Arbeitsstellen im Ausland – Präsiden William Ruto hat 400.000 Arbeitsstellen für Kenianer in Deutschland und Saudi-Arabien ‚gesichert‘. – So berichtet es die Daily Nation auf ihrer Titelseite. –
Mit Kanzler Olaf Scholz habe er vereinbart, 250.000 ausgebildeten und halb-ausgebildeten Kenianern in Deutschland eine Arbeitsstelle zu besorgen. Eine Arbeitsgruppe beider Außenministerien ist dafür gebildet worden. Saudi Arabien bietet Kenia 130.000 Arbeitsplätze an. – Hier handelt es sich um Haushaltskräfte, Reinigungspersonal.
Der Artikel ist überschrieben:
Wenn die Jobs austrocknen, muss sich die Jugend woanders grüne Weiden suchen.
Mit 10 anderen Ländern, die kenianische Arbeitskräfte brauchen, sind Abkommen geplant: mit Saudi Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, den USA, Kanada und anderen Ländern. – Im weiteren Verlauf wird auch berichtet, dass eine Ankündigung des kenianischen Außenministeriums von Mai, dass Kanada Job-Angebote für Kenianergemacht habe, sich als Falschmeldung erwiesen hat. – Gerade hatte mir Stephen Kagoyo, der sich in Kariua für Slum Kinder einsetzt, geschrieben, dass er sich für einen Job als Apfelpflücker in Kanada bewerben möchte.
Daneben berichtet das Arbeits- und Sozialministerium in Kenia, dass es mit sieben Ländern bilaterale Abkommen getroffen hat, um Tausenden gut ausgebildeten Kenianern sichere Arbeitsplätze zu beschaffen. In den Ländern mit hohem Einkommen gebe es einen großen Mangel an Arbeitskräften, während im scharfen Gegensatz dazu Afrika von Arbeitslosen überschwemmt sei und anständige Arbeitsstellen fehlten.
Arbeitsmigration, wenn sie gut gestaltet werde, sei in der Lage, Familien und Gemeinden zu mehr Wohlstand zu verhelfen. Ken Gichinga, Chef Ökonom am Mentoria Institut für Ökonomie sagt, er sehe zwei positive Auswirkungen der Arbeitsmigration für die heimische Wirtschaft: Junge Menschen kommen in Kontakt mit einer entwickelten Ökonomie – und lernen dadurch – und sie verdienen so viel, dass sie ihr Land durch Geldüberweisungenunterstützen. Er mahnt die Politiker, Anreize zu schaffen, damit die im Ausland gut ausgebildeten Fachkräfte nach Kenia zurückkehren und ihre Fähigkeiten und ihr Wissen hier einsetzen. Die Zentralbank hat mitgeteilt, dass die Überweisungen von Kenianern aus dem Ausland, der größte Posten in ihrer Statistik, im Jahr 20222 um 15,8 % zugenommen hat. Die Auswandererrate lag 2020 bei 5,35 Promille, 2019 5,39 Promille. Die geringere Zahl scheint der Corona Pandemie geschuldet. Jetzt rechnet man mit einem Anstieg der Zahlen.
Kritik an der Förderung der Arbeitsmigration kommt von anderen Experten, so von Professor Tom Mboya von der Maseno Universität. Er sagt, die Regierung punkte in der Öffentlichkeit mit dem Auftun von Arbeitsstellen im Ausland, ihre eigentliche Aufgabe sei aber, im Land selber Arbeitsplätze zu schaffen. „Ich habe noch nie eine Regierung gesehen, die dafür kämpft, Arbeit zu exportieren.“ „Warum wird zum Beispiel Mais importiert und es wird nichts getan, um Kenianern nachhaltige und sichere Arbeitsplätze zu verschaffen.“
Er kritisiert, dass es keine Studie darüber gebe, was der massive Exodus von kenianischen Fachkräften für die heimische Industrie bedeute. Hingewiesen wird auf den Gesundheitssektor, der unter dem Mangel an Personal leidet. Von der Regierung wird entgegnet, dass es keinen Mangel an jungen Menschen gebe und dass sich der Mangel bald auf natürliche Weise ausgleichen werde. – Eine nahezu zynische Argumentation. – Nach Mboya wird der Exodus von fähigen Menschen die Norm bleiben, solange die Wirtschaft es nicht schafft, der Masse an Arbeitskräften qualifizierte Arbeitsmöglichkeiten zu verschaffen.
Alfons Nowak, 7. Juli 2023
Fr. Chege und Francis Mbiu zu Besuch
Fr. Chege und Francis Mbiu zu Besuch

Fr. Chege und Francis Mbiu zu Besuch
Fr. Chege Erastus, Direktor der Bosco Boys aus Nairobi und Francis Mbiu, ein ehemaliger Bosco Boy, der mit 4 Jahren von der Polizei auf der Straße aufgegriffen worden war, waren von Mittwoch- bis Donnerstag-Abend unsere Gäste. Die Salesianer Zentrale in Bonn hatte die Beiden eingeladen. Der dritte Eingeladene, Isaac, auch ein ehemaliger Bosco Boy, hatte leider sein Visum verpasst.
Trotz aller Absprachen waren die Beiden auf ihrer Fahrt von Bonn an Recklinghausen vorbeigefahren und ich konnte sie dann in Marl-Sinsen retten. Wie passend: Der Direktor des Straßenkinder-Projektes und ein ehemaliger Geretteter wurden selbst das Objekt einer ‚Rescue‘-Aktion, sie wurden von mir von der Straße gerettet!
Wir verlebten einen komplett mit Begegnungen und Besichtigungen ausgefüllten Donnerstag! Jörg Sahlmann vom Mineralienhandel, Gründungsmitglied unseres Vereins, freute sich besonders über unseren Besuch. Sein Engagement für die Menschen in Madagaskar, hatte ihm gerade jetzt viele Hasskommentare eingebracht. Er nutzte die Gelegenheit, um mit uns ein Video zu drehen, das auf Instagram erschienen ist. Wir besuchten Andreas Rennervon der Firma Feld, auch er ein Gründungsmitglied. Meinen Nachfolgerinnnen, Anna Heidenreich und Ute Heidemann, in der Erlenpraxis in Meckinghoven statteten wir einen Besuch ab. Frau Engbert vom KIA-Autohaus gegenüber empfing uns herzlich.
Im Ludgerushaus freute sich Ilse Lau über unseren Besuch und Christel Fischer, ein treues Mitglied unseres Vereins servierte uns eine Erfrischung an diesem heißen Tag. Meine Gäste genossen den Spaziergang rund um das Hebewerk und waren begeistert von dieser technischen Meisterleistung und dem Riesenprojekt der Kanalbauten bereits vor 130 Jahren. Die kurze Zeit zwang uns leider den geplanten Besuch in der Physiotherapie-Praxis von Frank Bartsch aufzugeben. Schade! Frank ist uns ein so wertvoller Unterstützer, dem Fr. Chege gerne persönlich gedankt hätte.
Das geplante Mittagessen konnten wir durch eine Einladung zu Erdbeeren und Waffeln bei Joseph und Christel Fischer in ihrer Gärtnerei in Horneburg ersetzen. Köstlich! Die Beiden genossen es. Dann hieß es, sich beeilen; denn um 15 Uhr trafen wir uns mit Freunden unseres Vereins bei mir zu Hause. Es wurde ein wunderbarer Nachmittag mit 10 Gästen, unter ihnen Pfr. Paulus Phan und Clemens August Holtermann. Jeder stellte sich vor und erzählte von seiner Verbindung zu unserem Verein.
Fr. Chege erzählte von den Straßenjungen, wie sie die Jungen von der Straße ‚retten‘; wie die Rehabilitation verläuft, die schwierige Zeit des Drogenentzugs, durch den alle durchmüssen. Er berichtete von der oft dramatisch ablaufenden Wiederaufnahme des Kontakts mit der Familie des Straßenjungen. Für die Schilderung der schulischen Laufbahn im Internat in Kuwinda bleib kaum Zeit.
Sehr bewegend war die Schilderung von Francis über seinen Werdegang. Mit 4 Jahren hatte ihn die Polizei verlassen auf der Straße aufgegriffen und zu den Bosco Boys gebracht. Sie sind seine Familie, seine Brüder, seine Heimat geworden. Jetzt ist er als Automechaniker tätig, ist verheiratet, hat zwei Töchter, die jüngste gerade 3 Monate alt. Er engagiert sich als Kassierer in der Gruppe der Ehemaligen, die eine Stiftung gegründet haben – BOSCO BOYS SCHOLARSHIP REVOLVING FUND – um jetzigen Bosco Boys eine Universitäts- oder technische Ausbildung nach Schulabschluss zu ermöglichen. Die ehemaligen Bosco Boys sehen darin eine Möglichkeit, etwas von dem, was sie erhalten haben, an jetzige Bosco Boys zurückzugeben.
Sehr interessiert waren unsere Mitglieder zu hören, was Fr. Chege zu der Anwerbeaktion von Fachkräften unseres Bundeskanzlers in Kenia sagt. Die meisten von uns sehen darin eine moderne Form von Kolonialismus. Für Chege entsteht bei diesem Thema eine gespaltene Gefühlslage. Jeder Abgeworbene stellt einen Verlust für die kenianische Gesellschaft dar und fehlt bei der so nötigen Entwicklung des Landes. Auf der anderen Seite gibt es viele junge gut ausgebildete Menschen, die keine Arbeit in Kenia finden. Viele junge Lehrer arbeiten bereits jetzt in den Golfstaaten. Sie sind dort als Reinigungskräfte tätig und verdienen damit wesentlich mehr, als wenn sie in Kenia als Lehrer angestellt würden.
Es fiel uns schwer, unser Gespräch zu beenden, so viele Fragen waren noch offen. Aber der Zug wartete nicht und ich war froh, dass wir 5 Minuten vor der Zeit am Bahnhof Recklinghausen eintrafen. Dieses Mal gab es kein Problem durch Verspätungen. Das Umsteigen in Duisburg meisterten die Beiden und pünktlich um 20 Uhr wurden sie in Bonn von Sabine Rittinger empfangen. Am folgenden Tag stand ein großes Programm in zwei Schulen auf dem Plan. Chege und Francis verließen uns voller Begeisterung und Dankbarkeit. Das Interesse der Menschen, die Aufmerksamkeit, mit der zugehört wurde, das Engagement für benachteiligte junge Menschen im 8.000 Kilometer entfernten Kenia hatte sie tief berührt. Dieser, wenn auch kurze Besuch hat intensive Begegnungen möglich gemacht und uns allen gezeigt, dass wir zusammen gehören, auch wenn wir unter so unterschiedlichen Bedingungen und weit entfernt von einander leben. Wir haben praktisch erlebt, was wir theoretisch schon immer wussten. Wir sind Mitmenschen, Bürger einer Erde!
Dank an alle, die dabei waren und durch ihre Teilnahme und ihr lebendiges Interesse für ein Gelingen dieses Besuchs gesorgt haben!
Alfons Nowak, 16. Juni 2023
Kenia und Taizé
Kenia und Taizé

Kenia und Taizé
Kenia und Taizé
Zwischen Taizé und meiner Bindung an Kenia und das Flüchtlingslager Kakuma besteht ein enger Zusammenhang. In dem kleinen Örtchen Taizé in Burgund, nicht weit von Chalon-sur-Saone, ließ sich 1940 der reformierte schweizerische Theologe Roger Schütz nieder. Dass Gott die Liebe ist, war seine zentrale Botschaft. Der Abschied vom ‚Strafenden Gott‘, die Versöhnung der christlichen Kirchen waren ihm Herzensanliegen. So bildete sich um ihn herum die Gemeinschaft der Brüder von Taizé, ökumenisch, international, mittlerweile mit Niederlassungen in vielen Problemzonen der Megastädte dieser Welt, auch in Pantin, einer von sozialen Problemen besonders belasteten Vorstadt von Paris.
2008 traf ich in Taizé Fr. Selvam Sahaya, einen indischen Salesianer, der bereits 17 Jahre in der Jugendarbeit in Ostafrika arbeitete. Beide wollten wir die Zeit hier schweigend verbringen, entschlossen uns dann aber doch, miteinander zu reden. Daraus entstand eine Freundschaft, die 2013 zu meinem ersten Besuch ich Nairobi führte, wo ich am Abend meiner Ankunft gleich bedrängt wurde, man brauche mich, „einen Doktor aus Deutschland“, in Kakuma, damit ich dort ein Ultraschallgerät reparieren solle. Das Ultraschallgerät kriegte ich nicht hin, die Bindung an Kakuma war da.
Vom 21. Mai bis zum Pfingstsonntag verbrachten Elke Thoms und ich eine Woche in Taizé. Die Erinnerungen an die Anfänge unserer Kakuma-Hilfe wurden bei mir lebendig. Gefördert wurde das Gefühl der Verbundenheit Taizé / Kenia durch zwei Kenianer, die wir hier trafen. Die eine war Phyllis, die ein Jahr in Taizé verbringt und mittlerweile bereits die Verantwortung für den Ablauf im ‚Vergnügungsviertel‘ Oyak übertragen bekommen hat. Ein alkoholisches Getränk wird pro Person abgegeben, d.h. 0,1 Liter Wein oder 0,2 Liter Cidre oder Bier. Dafür hat man genau eine halbe Stunde Zeit. In unserer Woche öffnete der Kiosk um 21.45 Uhr und schloss pünktlich um 22.15 Uhr. In der Pfingstwoche mit mehr Teilnehmern – 1.000 waren es – wurde die Öffnungszeit um 15 Minuten bis auf 22.30 Uhr verlängert. Phyllis kam die unangenehme Aufgabe zu, die Öffnungszeit strikt einzuhalten, was darauf hinauslief, mit freundlichen aber bestimmten, sich auf keine Diskussion einlassenden Worten, den sich noch schnell Anstellenden die Tür ruckzuck vor der Nase zuzusperren.
Phyllis ist glücklich über die Erweiterung ihres Erfahrungshorizontes. Zum Jahreswechsel hatte sie am Jugendtreffen in Rostock teilgenommen und war voll des Lobes über die freundlichen Deutschen.
Phyllis und auch der zweite Kenianer, Bruder Githinji, kennen Fr. Selvam und mit beiden konnte ich Erinnerungen an Orte in Nairobi austauschen, die uns viel bedeuten. Da ist die Erinnerung an die Taizé Gemeinschaft Mji wa Furahain Nairobi, die leider geschlossen wurde und der Resurrection Garden, den Elke und ich mit Petronilla und Stephen im November besucht hatten.
Bruder Githinji ist zu Ostern in die Brüdergemeinschaft aufgenommen worden. Über Bruder Dennis konnten wir uns austauschen, einen Künstler, den ich 2013 und 14 in Nairobi kennenlernen durfte, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, mit einfachen Mitteln Schönes zu gestalten. Er verwendete Naturmaterialien und einfache Techniken. Noch heute erfreue ich mich täglich an Arbeiten, die ich damals von ihm gekauft habe. Githinjis Aufgabe ist es, den Kreuzweg im Auge zu behalten und zu reparieren, der von Dennis gestaltet wurde und auf dem Weg hinunter zur Quelle aufgestellt ist.
Zu meinem Erstaunen war er tief in die deutsche Geschichte eingedrungen. Am Jahreswechsel 2019 hatte er am Jugendtreffen in Wroclaw teilgenommen und Auschwitz besucht. Im September 2019 war er beim Jugendtreffen am anderen Ende unseres Erdballs in Kapstadt dabei und besuchte die Gefängnisinsel Robben Island, auf der auch Nelson Mandela eingesessen hatte. „Danach bin ich eine Depression geraten,“ gestand er mir. – Viele Eindrücke für einen jungen Mann aus einem armen Stadtteil Nairobis. Jetzt machte er einen ausgeglichenen und überaus glücklichen Eindruck.
Es war beeindruckend für uns, Taizé als einen Ort zu erleben, wo nicht nur darüber geredet wird, dass wir Menschen miteinander verbunden sind. Diese Lebenswahrheit bleibt hier nicht eine Sache des Kopfes oder des Glaubens. Taizé ist ein Ort, wo man die Verbundenheit untereinander praktisch lebt und erlebt. Hier wird für viele Menschen Realität, was Bruder Dennis mir 2013 sagte, als ich ihn fragte, woher er käme: „Geboren bin ich in der Schweiz. Gelebt habe ich mittlerweile in so vielen Ländern, dass ich nur noch sagen kann. Ich bin ein Weltbürger.“
Alfons Nowak



